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Jadeimitationen

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Zähigkeit von Mineralen

Die Definition des Begriffs "Jade" wird seit Jahrhunderten sehr kontrovers diskutiert. In China ist "Jade" schon seit mindestens 5000 Jahren in Gebrauch. Wegen seiner ganz besonderen Eigenschaft, so zäh und widerstandsfähig zu sein, wie kein anderes damals bekanntes Material (siehe Tabelle rechts), wurde Jade nicht nur in Asien, sondern auch in Europa und Amerika zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen verwendet. Mit der Zeit wurde das Material auch für Kunstobjekte (Vasen, Figuren) entdeckt und es begann sich vor allem in China ein regelrechter Jade-Kult zu entwickeln.

Das Material, das so hoch verehrt wurde, ist uns heute als Nephrit bekann, einer besonderen, filzig-fasigen Version des Minerals Aktinolith. Interessanterweise war es ursprünglich nicht die grüne Farbvarietät, die am Höchsten geschätzt wurde, sondern die gelblichen Farben, die sogenannte "Hammelfett-Jade". Die Gründe liegen wohl darin, dass Gelb die Farbe des Kaisers war und Kunstgegenstände und Jadeschmuck in dieser Farbe als Glücksbringer galten. Wie Grabbeilagen belegen, wurde erst allmählich auch die grüne (Nephrit-) Jade zu Kunstgegenständen verarbeitet.

Mitte des 18. Jahrhundert kam eine neue Art von Jade aus Burma auf den chinesischen Markt. Da sie war etwas härter und spöder war als die bis dahin bekannte Nephrit-Jade, wurde sie "harte Jade" (fei-ts'ui) genannt. Nephrit und ähnliche grüne Minerale wie z.B. Serpentin wurden fortan als "weiche Jade" bezeichnet. Das neue Material war optisch deutlich ansprechender als die bisher gehandelte Jade, und ist uns heute als das Mineral Jadeit bekannt.

Als Wissenschaftler im 19. Jahrhundert die chemische Zusammensetzung von "Jade" untersuchten, entdeckten sie, dass in China mindestens zwei völlig verschiedene Minerale als "Jade" bezeichnet wuren. Ähnliches war in der Vergangenheit schon öfters passiert . Man denke nur an den Begriff "Karfunkel", der nicht mehr benutzt wurde, als klar wurde, dass unter diesem Namen Rubin, roter Spinell, roter Granat, roter Turmalin usw. gehandelt wurden. Jedes rote Mineral bekam einen eigenen Namen und der Oberbegriff verschwand. Nicht so bei der Jade. Dort blieb der Begriff "Jade" bis heute erhalten.

Jade ist demzufolge kein Mineralname, sondern ein kultureller Begriff, der für mindestens zwei verschiedene Minerale steht, deren Gemeinsamkeit ihre enorme Zähigkeit ist: Jadeit und der Aktinolith-Varietät Nephrit. Beide müssen in Aggregatform, d.h. in Form kleinster verzahnter Körner oder verfilzter Fasern, vorliegen, um als "Jade" zu gelten.

Nephrit

"Nephrit" ist eine Varietätsbezeichnung für Minerale aus der Familie der Amphibole, genauer gesagt aus der Tremolit-Aktinolith Mischkristallreihe. Nephrit unterscheidet sich vom kristallinen grünen Aktinolith durch seine feinverfilzte Faserstruktur. Die durch Chrom und Eisen verursachte Farbe des Nephrits reicht von graugrün über dunkelgrün bis fast schwarz, kann aber auch ins rotbraune gehen.

Bei Nephrit gibt es keine spezielle Qualitätsgraduierung wie bei Jadeit, (siehe dort) er kann jedoch ähnlich manipuliert sein. Hier ist vor allem das Bleichen und das Versiegeln von Rissen hervorzuheben.

Jadeit

Jadeit ist ein Mineral aus der Familie der Pyroxene. Das wichtigste Merkmal dieser Varietäten ist ihre innere Struktur. Nur wenn sie in Form kleinster verzahnter Körner vorliegen und dadurch eine große Zähigkeit erlangen, werden sie als Jade bezeichnet.

Die begehrteste Farbe von Jadeit-Jade ist ein durch Chrom verursachtes smaragdgrün. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Farbvarietäten wie weiß, schwarz, gelb, rosa, rot, braun, und rotviolett ("Lavendeljade"), die jedoch eher zu den Exoten zählen.

Grüner Jadeit kommt in 3 Qualitätsstufen auf den Markt: Die beste Qualität wird als "Imperial Jade" oder Grade A-Jade (kurz: A-Jade) bezeichnet. Sie besitzt ein kräftige smaragdgrüne Farbe und ist durchscheinend. "B-Jade" wird in starken Säuren gekocht, um Verunreinigungen (z.B. Eisenoxide) aus den Rissen zu entfernen, die anschließend mit Wachs oder Kunstharz versiegelt werden. "C-Jade" ist wie B-Jade behandelt und zusätzlich noch grün gefärbt.

Maw-sit-sit

Maw-sit-sit ist ein Schmuckstein aus Burma, welcher im Wesentlichen aus 6 Hauptbestandteilen besteht, die mengenmäßig stark variieren können. Dadurch können sich einzelne Exemplare im Aussehen stark unterscheiden. Der Name leitet sich ab von einer Lokalbezeichnung aus seinem Fundgebiet in der Umgebung von Tawmaw in Burma (Myanmar).

Das Gestein besteht aus einer Grundmasse aus hellen Gemengteilen (vor allem Albit, aber auch Zeolithe und Chlorit), in der zahlreiche dunkle Bestandteile, vor allem Mischkristalle der Jadeit-Kosmochlor Reihe von intensiv grüner Farbe, auftreten. Sie können sowohl größere Einzelkristalle oder ein blockiges Mosaik bilden. Dazwischen liegen immer wieder schwarze Nester von feinfilzigem Kosmochlor (NaCrSi206), einem Chrom-Analogon zu Jadeit (NaAlSi206). Zwischen Kosmochlor und Jadeit gibt es eine weitreichende Mischkristallreihe durch den Ersatz von Al durch Cr. Im Maw-sit-sit sind weite Abfolgen dieser Reihe enthalten. Im Zentrum der Kosmochlornester, findet sich oft metallisch glänzender Chromit in Form kleiner Restkörner. Darüber hinaus bildeten sich gröbere Kristalle von grauer bis grüner Färbung aus Amphibol bzw. Chrom-Amphibol. Früher wurde dieses Gestein auch als Jadealbit bezeichnet, im Laufe der Jahre wurde jedoch vermehrt Maw-sit-sit angeboten, der kaum noch Albitanteile enthält. Deshalb gilt die Bezeichnung Jadealbit als veraltet.

"Chloromelanit"

Der Name "Chloromelanit", der hin und wieder als Synonym für Maw-Sit-Sit verwendet wird, ist heute unüblich. Der Name stammt aus dem griechischen (chloros = grün, melas = schwarz) und beschreibt das Aussehen eines Gesteins, das aus einer grünen Grundmasse mit schwarzen Flecken besteht. Früher wurden ganz unterschiedliche Gesteine als Chloromelanit angesprochen, so z.B. Eklogit, Omphacit oder eben auch Maw-sit-sit. Das führt heute im Mineralienhandel zu erheblichen Verwirrungen. Da der Name früher für eine ganze Anzahl von verschiedenen grünen Gesteinen mit unklaren und oft widersprüchlichen Beschreibungen vergeben wurde, sollte der Begriff heutzutage nicht mehr verwendet werden.

Imitationen

JadeimitationenDie komplizierten Zusammenhänge zwischen den unter dem Begriff Jade zusammengefassten Mineralen und Eigenschaften öffnen "Interpretationen" ein weites Feld. Ein Großteil der im Handel angebotenen Jade ist heutzutage weder Jadeit noch Nephrit, sondern besteht aus ganz anderen Mineralien (siehe Tabelle rechts). Man gewinnt den Eindruck, dass alles was grün und undurchsichtig ist, als "Jade" bezeichnet wird. Immer wieder wird versucht neue Minerale unter diesem Begriff unterzubringen.

Am besten gelingt das derzeit mit dem Mineral Serpentin. Dieses als "China Jade" oder "Neue Jade" angebotene Material sieht nicht nur aus wie Jade, es kommt in manchen Lagerstätten auch zusammen mit Nephrit und Jadeit vor.

Meist ist es zwar viel weicher, seine Varietät Antigorit (früher Bowenit genannt) erreicht aber sogar fast die Härte von Jade. Die Zähigkeit liegt allerdings weit unter der von echter Jade. Sie ist aber immer noch höher, als bei vielen anderen Mineralen (siehe Tabelle oben). Durch die wesentlich leichtere Bearbeitbarkeit ist dieses Mineral in den letzten Jahren zum bevorzugten Jade-Ersatz aufgestiegen. Kunstgegenstände wie Vasen, Schalen, Skulpturen, Qi Gong Kugeln aber auch Schmuck und Ketten: Viele Angebote dieser Art sind derzeit Serpentin und keine Jade.

Weiße, gelbe, rosa oder rote Jade ist selten im Handel. Es handelt sich dabei um Farbvarietäten von Jadeit. Typischerweise werden diese Varietäten gerne imitiert (siehe Tabelle). So z.B. Lavendel Jade durch violett gefärbten weißen Jadeit oder durch Lepidolith (Lithiumglimmer).

Weitere Jade-Imitationen bestehen aus Gläsern, die mit einem speziellen Verfahren "entglast" wurden. Dadurch bekommen sie kleine Einschlüsse und werden trübe bis fast undurchsichtig.

Diese Kunstprodukte werden sehr erfolgreich unter den Handelsnamen "Sibirische Jade", "Metajade", "Victoria Stein", "Iimori Stein" oder "Kinga Stein" vermarktet.

Wer nun denkt, die meisten Jadeimitationen sind hiermit genannt der irrt!
Neben den in der nebenstehenden Tabelle genannten Imitationen mit speziellen Handelsnamen, sind noch eine Vielzahl weitere Mineralien im Rennen um die Gunst der Jadekäufer. Die wichtigsten davon sind: Agalmatolith (ein sehr weiches specksteinartiges Gestein), grüner, undurchsichtiger Fluorit, gefärbter Quarzit und Wollastonit; Saussurit (ein feinkörniges Gemenge aus zahlreichen Verwitterungsmineralen), Sillimanit und Verdit, ein Glimmergestein.

Für all diese Imitationen gilt: Sie können echter Jade sehr ähnlich sehen und sind meist nur durch eine genaue gemmologische Untersuchung zu identifizieren.

 


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2008

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