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Andara Crystal

 

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

 Im englischen Sprachgebrauch wird der Begriff "Crystal" sowohl für natürliche Kristalle als auch für künstliches Kristallglas verwendet. Diese unangemessene Situation existierte im 19. Jahrhundert auch im deutschen Sprachraum, als der Begriff "Kristall" für Bleiglasprodukte mit hohem Glanz (z.B. Kronleuchter oder Trinkgefäße) verwendet wurde. Glücklicherweise ist der Begriff inzwischen ungebräuchlich geworden und veraltet. Heute spricht man im Deutschen ausnahmslos von "Kristallglas". Nicht so im Englischen.

Am ausführlichsten zelebriert diese irreführende Verwendung des Begriffs "Crystal" die Fa. Swarowski, die aus Marketing-Gründen den Begriff GLAS stets zu vermeiden versucht und lieber von "Swarowski Crystal" oder im deutschsprachigen Raum von "Swarowski Kristall" spricht. Gerade bei Schmuckstücken besteht jedoch ein erhebliches Verwechslungsrisiko mit natürlichen Produkten (Edelsteinen), weshalb diese Begriffe zu vermeiden sind. Bei den "Andara Crystal" wird dieses Risiko nochmals potenziert, indem Rohstücke und Trommelsteine angeboten werden, die als "von natürlichen Fundorten" stammend beschrieben werden. Im Internet kursieren auch Fotos von metergroßen Rohstücken, die ein natürliches Vorkommen suggerieren sollen.

Im EPI-Labor wurden mehrere dieser Glasprodukte -  die irreführenderweise auch als "synthetischer Obsidian", "Obsidianglas", "blauer Obsidian", "roter Obsidian" usw. auf dem Markt sind -, röntgenografisch untersucht (EDX-RF) und wir fanden signifikante Unterschiedein der elementaren Zusammensetzung von auf natürlichem Wege entstandenen Gläsern und den untersuchten Andara Gläsern.

   Tabellarische Übersicht der Elementgehalte von künstlich erzeugten "Andara-Crystal" und natürlichem Obsidian bzw. Moldavit (Tektit):

 

SiO2

Al2O3

CaO

K2O

Na2O

Fe2O3

MgO

Andara Glas (Gew.%)

68,80%

3,29%

5,08%

0,05%

22,24%

0,04%

0,02%

Obsidian (Gew.%)

> 70%

> 10%

< 2%

> 2%

< 6%

> 1%

>1%

Moldavit (Gew.%)

79 - 83%

8,0 - 10,5%

1,4 - 3,1%

2,4 -3,6%

> 1%

1 - 2 %

1 - 2 %

 

 

Die chemische Zusammensetzung der untersuchten Andara-Gläser entspricht derjenigen von Kalk-Natron-Gäsern. Diese weltweit mengenmäßig am weitesten verbreitete Glassorte besitzt (im Vergleich zu Naturgläsern) sehr niedrige Gehalte an Aluminium (Al2O3), Kalium (K2O) und Eisen (Fe2O3) und deutlich erhöhte Gehalte an Calcium (CaO) und Natrium (Na2O).

Obwohl es sich um künstlich erzeugte Produkte handelt, werden Andara Crystals im Internet als esoterisch-energetische Besonderheiten gehandelt. Bei den lukrativen Gewinnmargen verwundert es wenig, dass es bereits heftige Auseinandersetzungen gibt, wer die einzig-echten "Andara Crystal" hat, wo sie herkommen und worin sie sich von "unechtem" Material unterscheiden. Näheres - aber nicht unbedingt Erhellenderes - findet sich im Internet unter dem Stichwort "Andara Crystal". Die Hauptargumentation zielt in die Richtung, dass man dieses Glas, das "anders ist als Obsidian" (wen wundert's), angeblich in einer natürlichen Umgebung vorfindet.

Solche natürlichen Fundsituationen haben auch hier in Deutschland schon viele Entdecker von Altglas Deponien in die Irre geführt. Zeitweilig wurde solches Material auch verschliffen und als "Antikglas" auf Mineralienbörsen angeboten. Wir möchten deshalb betonen, dass ein Fund in einer natürlichen Umgebung (Stränden, Bergwerkstollen oder "im Wald") kein Beweis dafür ist, dass das vorgefundene Material auch natürlichem Ursprungs ist.

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