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Türkis Behandlungsmethoden

Türkis Skulptur (10 x 13 cm)

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

 

Türkis gehört zu den ältesten Schmucksteinen, die wir kennen. Schon in 7500 Jahre alten ägyptischen Gräbern wurden Schmuckstücke und Einlegearbeiten mit Türkisen gefunden. Die ältesten dokumentierten Abbaugebiete der Welt sind die Maghara Wadi Minen auf der Halbinsel Sinai. Bereits 3200 v. Chr. wurden jährlich mehrere tausend Arbeiter dorthin geschickt, um Türkis abzubauen. Die Minen wurden über einen Zeitraum von 2000 Jahren bearbeitet, bevor sie in Vergessenheit gerieten.

 

Kein anderes Mineral wird in so vielen Kulturen als Schutzstein, Talisman und Glücksbringer verehrt. In Tibet galt der Türkis als heiliger Stein. Man unterschied dort 6 Qualitätskategorien. Der Preis der besten Kategorie lag weit über der von Gold. Auch bei den Moche in Nordperu stand er in hohem Ansehen und vor allem bei den Azteken, die ihn "Calchihuitl" nannten. In deren ehemaligem Einflussbereich wurde der Stein bereits in prähistorischer Zeit abgebaut.

Die wirtschaftlich bedeutendsten Vorkommen liegen auch heute noch in den US-Staaten Neumexiko, Nevada und Arizona.

Qualitätskriterien

Für die Beurteilung der Qualität eines Türkis sind folgende Faktoren wichtig:

1. Die Farbe

Hochwertiger Türkis zeigt im Tageslicht ein homogenes Himmelblau, welches manchmal auch unregelmäßige, wolkige, weißliche Flecken aufweisen kann.

Die Topqualitäten erkennt man aber im Kunstlicht unter einer Glühbirne. Hier muss die Farbe in voller Schönheit erhalten bleiben. Farbveränderungen, die ins Graue gehen, wirken sich qualitätsmindernd aus. Schlägt die Farbe vollständig in Grau um, so besteht der Verdacht, dass es sich gar nicht um Türkis, sondern um Odontolith handelt.

Die begehrte blaue Farbe verdankt Türkis seinem Gehalt an Kupfer. Im Wesentlichen besteht das Mineral aus Aluminium, Kupfer, Phosphor und Wasser. Es enthält aber auch immer etwas Eisen. Das Mischungsverhältnis von Kupfer und Eisen ist ausschlaggebend für den Farbton. Je mehr Eisen der Stein enthält, desto grüner wird er.

2. Die Härte

Die Härte von Türkis variiert zwischen 2 und 6. Zwei Gründe sind dafür verantwortlich:

a) Wassergehalt

Türkise, die lange Zeit nahe der Erdoberfläche geruht haben, sind ausgetrocknet und dadurch härter geworden. In vielen Minen im Südwesten der USA sind Türkise, die aus über 30 Metern Tiefe stammen, wasserhaltiger und damit weicher und grüner. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass man die Topqualitäten bevorzugt in den Trockengebieten unserer Erde findet.

b) Quarzgehalt

Türkis in Edelsteinqualität ist hart und enthält wenig Poren. Er ist im Laufe seiner Entstehung auf natürliche Art und Weise stabilisiert worden. Seine Poren wurden durch eindringende Kieselsäure verschlossen. Deshalb liegen Härte und spezifisches Gewicht (2,5-2,8 g/cm³) auch nahe bei Quarz. Hauptlieferant für diese Topqualitäten ist der Iran.

Schlechtere Qualitäten haben meistens einen Stich ins Grünliche und sind angewittert und porös. Türkise der untersten Qualitätsstufe sind sehr weich und lassen sich bereits mit dem Fingernagel ritzen. Die minderwertigsten Qualitäten ähneln mehr einer Tafelkreide, denn einem Türkis.

 

Behandlungsmethoden

 

1. Paraffinieren

Farbschwache Türkise, die in farbloses Wachs getaucht ('paraffiniert') werden, bekommen eine intensivere Farbe und einen stärkeren Oberflächenglanz. Gleichzeitig wird die Oberfläche versiegelt, wodurch der Stein unempfindlicher für Schweiß und Chemikalien (z.B. Seife) wird. Viele der heute im Handel befindlichen Türkise sind hartwachsvergütet. Diese 'Eigenschaftsverbesserung" ist leider nicht von langer Dauer. Sowohl Wachs als auch Öl trocknen mit der Zeit aus, wodurch die vermeintlich intensive Farbe wieder verblasst. Der Glanz lässt nach und Risse und Kratzer an der Oberfläche werden wieder sichtbar.

 

2. Färben:

gefärbter Türkis

gefärbter Türkis mit Farbanreicherungen in den Rissen

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

Blasse Steine werden bereits seit Jahrhunderten nachgefärbt. Auch das Erbstück aus der Zeit des Biedermeier, in welcher der Türkis als Modestein favorisiert wurde, kann unter Umständen gefärbt sein. Heutzutage geschieht dies meist in Kombination mit einer Wachs- oder Kunstharzbehandlung.

 

3. Behandlung mit Kunstharz:

a) Stabilisieren

stabilisierter Türkis

mit Kunststoff behandelter ("stabilisierter") Türkis

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

Sehr poröse Türkise, die für Verarbeitungsprozesse untauglich wären, werden 'stabilisiert' d.h. mit farblosem oder farbigem Kunstharz imprägniert.  Durch das Füllen und Verkleben der Poren wird selbst mürber, brüchiger Türkis schleif- und polierbar und bekommt eine bessere Farbe.

b) Rekonstruieren

rekonstruierter Türkis

rekonstruierter Türkis mit kleinen Türkissplittern

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

Schleifstaub und granulierte Abfälle lassen sich mit Hilfe von Kunstharz als Bindemittel wieder zusammenfügen ('rekonstruieren'). Das Produkt kommt in Barrenform auf den Markt und wird meist zu Schmuck verarbeitet. Der Kunstharzanteil in solchen Steinen kann bis zu 40 Gew% betragen. Das Kunstharz verbleibt dauerhaft im Stein. Erst nach längerer Zeit können Zersetzungsprodukte (vor allem des Weichmachers) den Stein leicht grünlich verfärben.

 

4. Der Zachery Prozess

Mit der Zachery-Methode behandelter Türkis

Über die Einzelheiten dieses von James E. Zachery entwickelten Prozesses ist bis heute kaum etwas bekannt. Anscheinend wird die mikrokristalline Struktur von Türkis so verändert, dass sich sein Porenraum reduziert. Variationen in den Behandlungsmethodik verhelfen den Steinen zu einer intensiveren Farbe und/ oder zu einer besseren Polierbarkeit.

Angeblich funktioniert diese Methode nur zufriedenstellend, wenn das Ausgangsmaterial bereits von mittlerer bis guter Qualität ist. Kalkartig poröser Türkis liefert keine überzeugenden Ergebnisse. Gerüchten zufolge werden in den USA jährlich mehrere Tonnen hochwertigen Türkises auf diese Art und Weise 'optimiert'.

Mit den üblichen gemmologischen Methoden ist diese Behandlung nicht eindeutig zu identifizieren. Mit einer Spurenelementanalyse lässt sich die Manipulation jedoch aufdecken: der Kaliumgehalt der behandelten Türkise ist deutlich erhöht.

 

 


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI)