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»Nebula Stein« & »Kambaba Stein«

»Eldarit« Gestein in den Varietäten »Nebula Stein« (A) und »Kambaba Stein« (B)

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

 

In Deutschland werden zwei ähnliche, aber doch unterschiedliche Gesteine unter der gemeinsamen Bezeichnung »Eldarit« angeboten.  Die erste Variante kommt aus Mexiko und besteht aus einem (fast) schwarzen Gestein mit grünen Punkten und Kreisen (A). Manche Menschen fühlten sich bei der Betrachtung des Gesteins wohl an Galaxien und Sternnebel erinnert, weshalb sie ihm den Namen »Nebula Stone« (engl.) oder »Nebula Stein« (dt.) gaben. Die zweite Variante (B) stammt aus Madagaskar und hat wesentlich mehr Grünanteile. Die Namensgebung für dieses Gestein ist nicht ganz einheitlich. In Amerika ist es unter dem Namen "Kambaba-Jasper" bekannt, in Deutschland wird er eher unter dem Namen "Kabamba Stein" gehandelt. Lange Zeit wurden die Bezeichnungen »Nebula Stein«, »Kambaba Stein« und »Eldarit« als gleichberechtigte Synonyme benutzt.

Im Jahre 2005 verkündete der Lieferant des mexikanischen »Nebula Steins« in etlichen eMail-Rundschreiben an deutsche und internationale Anbieter: "Nebula Stone is not Kambaba!" [dt: Nebulastein ist nicht Kambaba]. In diesen Mailings wurde erklärt, dass Nebula Stone ein vulkanisches Gestein sei, wohingegen Kambaba (Kabamba) ein Sedimentgestein sei, genauer gesagt eine fossile Stromatolithen Alge, was im deutschen Sprachgebrauch gleichbedeutend ist mit "Stromatolithen-Jaspis".

Da gleichzeitig unmissverständlich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass der Begriff »Nebula Stone« rechtlich geschützt sei und nur für das mexikanische Material verwendet werden dürfe, wurde das EPI-Labor beauftragt das »Kambaba«-Gestein genauer zu untersuchen.

»Kambaba Stein«

Eldarit

Abb. 2: Das Rohstück eines »Kambaba Stein« zeigt eine krustige Oberfläche, ähnlich derer von knolligen Lavasträngen.

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

Mit Hilfe eines kiloschweren "Handstücks" (Fig. 2) von der Originalfundstelle in Madagaskar konnten Dünnschliff- und Mikrosonden Analysen angefertigt werden.

Die Analysen ergaben, dass das Gestein aus Quarz und Alkalifeldspäten (Albit und Sanidin oder einer verwandten Phase) besteht. Darin eingebettet finden sich radialstrahlig angeordnete, grüne Amphibol-Aggregate (Pargasit, Riebeckit oder eine verwandte Phase), die von feinkörnigem Pyroxen (Aegirin) ummantelt sind. Calcit tritt nur in Spuren auf.

Damit ist die Behauptung, Kambaba sei ein aus Stromatolithen Algen entstandenes Sedimentgestein, klar widerlegt.

Dünnschliffanalyse

In den Dünnschliffen sind unter gekreuzten Polarisatoren mineralogisch komplexe, rundliche Clustern aus mehreren Phasen bzw. deren Pseudomorphosen zu erkennen. Die Feinheit der Kristallite lässt jedoch keine Achsenbilder zu. Der Amphibol ist in winzigsten Nädelchen eingestreut und zeigt stellenweise ein Fließgefüge, was auf eine Kristallisation aus zähflüssigem Magma hindeutet. Der Quarz und ein Teil des Feldspates ist rekristallisiert. Die fehlende undulöse Auslöschung des Quarzes lässt eine metamorphe Überprägung eher unwahrscheinlich erscheinen. Glas ist - auch reliktisch - nicht (mehr) vorhanden.

Abb. 3: Bei 10facher Vergrößerung werden die feinen, eng miteinander verwachsene Minerale des »Kambaba Steins« sichtbar.

Foto: Lorenz; Bildbreite 8mm

Abb. 4: Bei 40facher Vergrößerung lösen sich die dunklen Bereiche auf in feine dunkelgrüne Amphibol-Nädelchen, die von Aegirin überwachsen sind.

Foto: Lorenz. Bildbreite 2mm

Aufgrund dieser Analyseergebnisse wurde das Gestein als Vulkanit, genauer gesagt als Rhyolith identifiziert.

Man kann annehmen, dass die eng miteinander verwachsenen kleinen Kristalle durch die Entglasung einer einstigen Schmelze entstanden sind. Untersuchungen allein anhand eines Handstückes erlauben diesbezüglich keine genauen Aussagen.

»Nebula Stein«

Anhand der mineralogischen Analysen des mexikanischen »Nebula Steins«, die auf der Homepageder des amerikanische Lieferanten veröffentlicht sind, ist ersichtlich, dass es sich hierbei ebenfalls um einen Vulkanit handelt. In einer Analyse von Sidney A. Williams vom Labor Globo de Plomo, USA, aus dem Jahr 1995 wird das Gestein als frisches, alkalireiches vulkanisches Gestein beschrieben, das hauptsächlich aus vier Mineralien besteht: Quarz, Alkalifeldspat (Anorthoklas), Amphibol (Riebekit) und Aegirin, wobei der Riebekit teilweise durch Aegirin ersetzt und ummantelt ist. Das Gestein wurde als Quarz-Pantellerit bestimmt, was nichts anderes ist, als ein alkalireicher Rhyolith.

Damit ist die mineralogische Zusammensetzung durchaus vergleichbar mit derjenigen des »Kambaba Steins«. Beide Gesteine sind Vulkanite und beide bestehen aus Quarz, einem oder mehreren Alkalifeldspäten, Amphibolen (Riebekit oder verwandte Phasen) und Aegirin.

Fazit

»Kambaba Stein« und »Nebula Stein« unterscheiden sich im Mineralbestand nur wenig. Sie unterscheiden sich vor allem in der Menge der einzelnen Mineralien, ihrer Verteilung und eventuell auch der Art des Ausgangsgesteins. Die daraus resultierende Farbverteilung kann als Unterscheidungsmerkmal dienen: Der »Kambaba Stein« zeigt schwarze Kreise auf grünem Grund. Beim »Nebula Stein« ist es umgekehrt: er zeigt grüne Kreise auf schwarzem Grund. Aus mineralogischer Sicht sind beide Gesteine jedoch sehr ähnlich, sodass der Überbegriff »Eldarit« für beide Gesteine akzeptiert werden kann.

Aufgrund der Analyseergebnisse ist es sinnvoll den Namen Eldarit als Überbegriff für die Varianten »Nebula Stein« (Mexiko) und »Kambaba Stein« (Madagaskar) zu verwenden. Der von einigen amerikanischen und madagassischen Firmen benutzten Begriff "Cambamba Jasper" und "Crocodile Jasper" ist irreführend, da in keiner der untersuchten Proben Jaspis nachgewiesen werden konnte. Handelsnamen wie "Kambaba-Jaspis" und "Krokodil-Jaspis" sollten deshalb unbedingt vermieden werden.